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Mittendrin

20 Jahre Pfadfinden in der Diözese Magdeburg am Beispiel eines kleinen Dorfes – BADERSLEBEN, Landkreis Harz

Seit Anfang März 1990 gibt es das Pfadfinden auch im Bereich des Bistums Magdeburg.
Abenteuerlich fing es damals an:
Die staatlich verordneten Kinder- und Jugendarbeit (Pioniere und FDJ = Freie Deutsche Jugend) gab es nicht mehr. Immer mehr zeigte sich, dass damit auch die Freizeitgestaltung dieser Altersgruppen in vielen Bereichen zum Erliegen gekommen war.
Was sollte nun aus diesen Kindern werden, die immer mehr das Straßenbild der Städte und Dörfer bestimmten? Diese Frage stellten sich u.a. auch einige Erwachsenen im Dorf Badersleben nahe dem Harz (zwischen Halberstadt und Wernigerode, Sachsen Anhalt).
Zur gleichen Zeit war diese Problemanzeige mehreren Verantwortlichen im Bistum Magdeburg ein Anliegen geworden und sie luden im Februar 1990 zusammen mit Vertretern aus dem Bistum Paderborn zu einem Informationstag über Verbände und im Speziellen zum Pfadfinden nach Magdeburg ein.


Jurtenburg vom Kirchturm aus

Dort nun trafen sich, unabhängig voneinander angereist, zwei Ehepaare aus Badersleben, die sich über Verbandsarbeit und die Möglichkeiten im Osten informieren wollten.
Ziemlich bald war klar, dass nicht nur im Bistum, sondern auch in Badersleben das Pfadfinden beginnen sollte. Zurück im Ort suchten sie Eltern, die sich für diese Idee begeistern ließen und bereits vor der offiziellen Gründung begannen die ersten Gruppenstunden der Kinder und Informationsveranstaltungen für die Eltern.
In Magdeburg wurde dann am 3. März 1990 die in weiß auf grün geschriebene PSG, Pfadfinderschaft St. Georg, gegründet, weil dahinter die Idee stand, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen. Da keiner von uns so echte Ahnung von vorhandenen Strukturen hatte, fühlten wir uns in Aufbruchstimmung mit unserer Neuerfindung für unser Bistum. (Erst später wurde uns klar, dass die Abkürzung PSG schon besetzt war.)


Kinderfest, Tanz der Grundschule in der Jurtenburg

So war der erste und wohl einzige katholischen Kinder- und Jugendverband in der DDR gegründet worden. Wir entwickelten unser Verständnis für das Pfadfinden immer mehr und im Januar 1991 schlossen wir uns nach der Wiedervereinigung der DPSG an und versuchen seit dem, unsere spezielle Situation der extremen Diaspora mit den Grundsätzen des Pfadfindens zu verknüpfen.


Bauchtanz der Pfadfindergruppe

Von Anfang an waren unsere Gruppenstunden für alle Interessierten offen und an der ursprünglichen Zusammensetzung hat sich bis heute nicht sehr viel verändert, jeweils gedrittelt katholische, evangelische und nicht getaufte Kinder, Jugendliche und Leiter.
Nun also bestehen der DV Magdeburg, wir in Badersleben und auch der Stamm in Sangerhausen seit 20 Jahre. Um dies gebührend zu feiern, haben wir auf der Diözesanversammlung im Herbst 2008 beschlossen, es in drei Etappen zu tun.
Die erste Etappe war die Wiedereröffnung des Forsthauses Eggerode in unserem Diözesanzentrum im Harz. Dazu hatten wir vor allem unsere Geldgeber der Förderungen, die Vertreter des Bistums, vom BDKJ, den Landrat und verschiedene Bürgermeister….sowie die Mitarbeiter/innen von Eggerode und die Vorstände der Stämme, auch die alten Diözesanvorstände, eingeladen. Mit einem Festgottesdienst unter der Leitung vom Bundeskuraten Guido, einem anschließenden Festbankett mit der Möglichkeit zur Begegnung und zum Begutachten der Renovierungsarbeiten ging das erste Festwochenende zu Ende.
20 Jahre Pfadfinden – ein Weg, der sich gelohnt hat: Punkt 2 - Diözesanlager
Vom 11.-13.Juni war in Badersleben mitten im Dorf die Feierlaune überall zu spüren. Eine große Jurtenburg stand auf dem Festplatz, überall reges Treiben, im Schulpark standen Zelte und waren Kinderstimmen zu hören.


Beim Auszug, Guido hält sein Abschiedsgeschenk in der Hand: einen OSB-Stick - OSB , Abkürzung der Benediktiner

Schon am Freitag reisten (nun) befreundete Pfadfinder aus dem Bistum Hamburg an, unter deren Anleitung die Jurtenburg aus 5 Jurten zusammengeknüpft wurde. So entstanden ca. 130 Sitzgelegenheiten, ein Bühnenbereich und eine kleine Theke.
Am Freitagabend dann feierte der Stamm „St. Martin“ in Badersleben sein Jubiläum mit den Vereinen des Ortes. Vor allem auch Ehemalige waren da und erinnerten sich bei der Diashow an alte Zeiten. Die Pfadfinder der einzelnen Altersstufen hatte jeweils Programmpunkte eingeübt, die zur allgemeinen Erheiterung beitrugen: ein Kniekino, ein Bauchtanz, eine Miniplaybackshow und die Eheberatung für Gruppenleiter, die zu oft mit den Pfadfindern unterwegs sind. Die Grußworte der einzelnen Vereine drückten das gute Miteinander auf verschiedenste Weise aus. Die Lagerfeuerstimmung mit Gesang und vielen Gesprächen sorgte dafür, dass sich die letzten Gäste erst weit nach Mitternacht verabschiedeten.


Gitarrenmusik von Lukas und Gregor Klimmasch während der Kommunion

Der Samstag stand dann ganz unter dem Aspekt: 20 Jahre Pfadfinden im Bistum Magdeburg. Gegen Mittag reisten andere Pfadfinder aus Sangerhausen, Blankenburg und Magdeburg an. Die Kinder hatten ihren Spaß beim Kinderfest mit Kissenschlacht, Rollbahnfahren, vielen Geschicklichkeitsspielen und zur WM passend: Torwandschießen mit Geschwindigkeitsmessung des Balles. Die Tanzgruppe der Grundschule in Badersleben sorgte mit einem Piratentanz für eine gelungene Überraschung und den Abschluss des Kinderprogramms machte eine Musicalgruppe aus Blankenburg.
Nach dem Festessen dann gab es die offizielle Begrüßung aller geladenen Gäste in der Jurtenburg mit einem abwechslungsreichen Unterhaltungsprogramm. Später dann spielte die Band „Broken Marble“ aus der Altmark und sorgte bis in den frühen Morgen für Tanzlaune. Das Feuerwerk war für die Kinder eine tolle Überraschung.


Festgottesdienst an Sonntag

Den festlichen Abschluss bildete am Sonntag der Gottesdienst in der katholischen Kirche in Badersleben. „Auf dem Weg sein“ - so war das große Thema. Bundeskurat Guido Hügen betonte in seiner Predigt, wie wichtig es ist, auf dem Weg zu sein, die Zeichen der Zeit zu erkennen und dann entsprechend zu handeln. „Jeden Tag eine gute Tat trägt dazu bei, dass die Welt durch die Pfadfinder ein Stück besser verlassen werden kann, als wir sie vorgefunden haben, und das seit 20 Jahren auch im Bistum Magdeburg“, so Guido. Bruder Petrus Henke OSB, Benediktiner und Pfarrer in Badersleben dankte allen Pfadfindern im Bistum dafür, dass diese Verbandsarbeit kein Gegen- sondern ein Miteinander in den jeweiligen Pfarreien ist. Verschiedene Wegzeichen begleiteten durch den Gottesdienst und hatten vor allem in den Fürbitten ihre besondere Bedeutung.
An dieser Stelle möchte auch ich ein Dankwort sagen: den vergangenen Diözesanvorständen, allen ehemaligen und jetzigen Pfadfindern, dem BDKJ für die stete Unterstützung, dem Bistum für das gute Miteinander bei Großveranstaltungen und zu diesem Fest auch der Pfadfinder-Stiftung für die großzügige finanzielle Unterstützung für unseren zahlenmäßig eher bescheidenen Verband. (bitte Logo der Stiftung einfügen?!)
Mein persönlicher und besonderer Dank geht an Guido, der einfach immer für uns einen offenen Bildschirm hat und uns sehr oft hier im DV besucht und unterstützt hat.


Hamburger und ein Teil der Leiterrunde Badersleben

Den Abschluss unseres Jubeljahres bildet schließlich die Friedenslichtaktion, die wir bei der neuen Siedlung in Magdeburg unter Mitwirkung unseres Bischofs, Dr. Gerhard Feige, feiern und gestalten werden.
So einige Pfade haben wir gefunden, manche gegründete Stämme haben sich irgendwann im Sande verlaufen, doch durch die beschlossene Projektstelle OST erhoffen wir uns tatsächlich, dass die vielen Pfadfinder zu uns finden können, die nur noch nichts von dieser tollen Bereicherung für ihr Leben wissen.

Heidi Klimmasch, DiözesankuratIN (die Erste dieser Gattung in der Geschichte der DPSG, wann bekomme ich denn mal eine Mitstreiterin???)